Eine Ikone der Eleganz und ihre legendäre Perlenleidenschaft
Wenn man an die modischen Ikonen des 20. Jahrhunderts denkt, steht ein Name unweigerlich ganz oben auf der Liste: Jacqueline Kennedy Onassis. Die ehemalige First Lady der Vereinigten Staaten verkörperte wie keine andere Frau ihrer Zeit eine Eleganz, die gleichzeitig zugänglich und aristokratisch wirkte. Ihr unverwechselbarer Stil prägte nicht nur die amerikanische Mode der 1960er Jahre, sondern beeinflusst bis heute Designer, Modefans und Stilikonen weltweit. Im Zentrum dieses ikonischen Looks stand ein ganz besonderes Accessoire: Perlenschmuck.
Jackie Kennedy machte Perlen zu ihrem unverkennbaren Markenzeichen. Ob bei offiziellen Staatsempfängen im Weißen Haus, auf Auslandsreisen als Repräsentantin ihres Landes oder bei privaten Anlässen – ihre Perlenketten und Perlenohrringe waren praktisch allgegenwärtig. Doch was machte ihre Beziehung zu diesem klassischen Schmuckstück so besonders? Und warum fasziniert ihre Perlenleidenschaft Menschen auch mehr als sechs Jahrzehnte später noch immer?
Die dreireihige Perlenkette: Ein Symbol amerikanischer Eleganz
Das wohl bekannteste Schmuckstück in Jackie Kennedys umfangreicher Sammlung war ihre dreireihige Perlenkette. Dieses Stück wurde geradezu legendär durch eine Fotografie aus dem Jahr 1962, aufgenommen vom Weißen Haus-Fotografen Cecil Stoughton. Das Bild zeigt Jackie mit ihrem kleinen Sohn John F. Kennedy Jr., der spielerisch an einer der Perlenstränge zieht, sodass sie sich über ihr Kinn spannt, während sie den Kopf zurückwirft und lacht. Dieses spontane, herzliche Moment wurde zu einer der berühmtesten Aufnahmen der amerikanischen Geschichte und machte die dreireihige Perlenkette zu einem begehrten Modeartikel, der unzählige Male kopiert wurde.
Was viele nicht wussten: Diese ikonische Kette bestand nicht aus echten oder kultivierten Perlen, sondern aus Imitationsperlen – genauer gesagt aus handbemalten böhmischen Glasperlen. In der Schmuckbranche würde man sie als Modeschmuck bezeichnen. Doch für Jackie war dieser Umstand vollkommen irrelevant. Sie trug die Kette fast täglich und machte damit eine wichtige modische Aussage: Wahre Eleganz liegt nicht im Preis oder in der Echtheit der Materialien, sondern in der Art und Weise, wie man etwas trägt. Diese demokratische Herangehensweise an Mode machte ihren Stil für Millionen amerikanischer Frauen zugänglich und nachvollziehbar.
Die Kette wurde vom renommierten Schmuckdesigner Kenneth Jay Lane gefertigt, der für seine exquisiten Imitationsschmuckstücke berühmt wurde. Lane kreierte für Jackie eine Vielzahl von Schmuckstücken, doch die dreireihige Perlenkette mit ihrem wunderschönen Art-Déco-Verschluss aus rhodiniertem Metall mit Strasssteinen wurde zu seinem bekanntesten Werk. Die drei Stränge hatten unterschiedliche Längen – der kürzeste maß 17 Zoll (etwa 43 cm), der mittlere 18,5 Zoll (etwa 47 cm) und der längste 20 Zoll (etwa 51 cm). Diese gestaffelte Anordnung verlieh der Kette Tiefe und visuelles Interesse und schmiegte sich elegant an den Hals und die Schlüsselbeine.
Perlen als tägliches Accessoire: Jackie’s demokratischer Ansatz zur Eleganz
Was Jackie Kennedys Umgang mit Perlenschmuck besonders revolutionär machte, war die Tatsache, dass sie Perlen nicht als seltene Erbstücke behandelte, die nur zu besonderen Anlässen aus dem Tresor geholt wurden. Stattdessen trug sie ihre Perlen wie selbstverständlich im Alltag. Sie kombinierte sie mit ihren charakteristischen schlichten Etuikleidern, mit ihren berühmten Pillbox-Hüten und mit ihren elegant geschnittenen Kostümen. Perlen waren für sie kein Symbol königlicher Pracht oder unerreichbaren Luxus, sondern ein alltägliches Accessoire, das Raffinesse und weibliche Stärke ausdrückte.
Diese Herangehensweise stand im deutlichen Kontrast zur europäischen aristokratischen Tradition, wo echte Perlen als kostbare Juwelen galten, die königliche Abstammung und immensen Reichtum symbolisierten. Jackie amerikanisierte die Perle gewissermaßen und machte sie zu einem Symbol für zugängliche, aber dennoch anspruchsvolle Eleganz. Amerikanische Frauen konnten sich eine Imitationsperlenkette leisten und sich dabei stilistisch mit ihrer First Lady verbunden fühlen.
Diese Demokratisierung der Eleganz passte perfekt zum Image der Kennedy-Administration als Inbegriff der “Camelot”-Ära – einer Zeit des Optimismus, der Modernität und der amerikanischen Selbstbewusstheit. Jackie verkörperte eine neue Art amerikanischer Aristokratie, die auf Bildung, Geschmack und Stil basierte, nicht auf ererbten Titeln oder altem Geld.
Die Vielfalt von Jackies Perlenschmuck-Kollektion
Obwohl die dreireihige Kette zweifellos ihr bekanntestes Schmuckstück war, umfasste Jackies Perlenschmuck-Sammlung weit mehr. Sie besaß eine beeindruckende Vielfalt an Perlenohrringe, von denen viele ebenfalls von Kenneth Jay Lane gestaltet wurden. Besonders berühmt wurden ihre Muschel-Clip-Ohrringe mit Perlenverzierung, die sie bei zahlreichen Gelegenheiten trug. Bei einer Auktion wurden diese Ohrringe später für unglaubliche 25.300 US-Dollar versteigert – ein Beweis für die anhaltende Faszination, die Jackies persönliche Gegenstände ausüben.
Neben den Muschel-Ohrringen besaß Jackie verschiedene Perlknopf-Ohrringe in unterschiedlichen Größen und Farben. Sie trug weiße Perlen, cremefarbene Perlen und sogar graue Perlenohrringe. Jede Variante wurde sorgfältig mit ihren Outfits abgestimmt und verlieh ihren Looks eine individuelle Note. Die Ohrringe waren meistens als Clip-Ons gestaltet, ein damals übliches Format, das keine durchstochenen Ohrlöcher erforderte.
Jackie experimentierte auch mit verschiedenen Perlenketten-Designs. Neben der berühmten dreireihigen Kette trug sie auch einzelne lange Perlenstränge, die sie gelegentlich zu einem doppelten Strang wickelte, mehrstränge Choker-Halsketten und Perlenketten mit kunstvollen Verschlüssen aus Edelsteinen oder Strasssteinen. Diese Vielfalt zeigte ihre Experimentierfreude innerhalb der Parameter ihres charakteristischen Stils.
Perlen und die Ästhetik der 1960er Jahre
Um Jackies Perlenleidenschaft vollständig zu verstehen, muss man sie im Kontext der Modeästhetik der frühen 1960er Jahre betrachten. Diese Ära war geprägt von klaren Linien, minimalistischen Silhouetten und monochromen Farbpaletten. Designer wie Oleg Cassini, Jackies persönlicher Modeschöpfer während ihrer Zeit als First Lady, bevorzugten schlichte, architektonisch geschnittene Kleider in Blockfarben – leuchtendes Gelb, strahlendes Orange, kühles Rosa und natürlich das klassische Schwarz und Weiß.
In diesem ästhetischen Kontext erfüllten Perlen eine wichtige Funktion. Sie brachten Textur, Dimension und einen Hauch von Luxus in ansonsten minimalistische Outfits, ohne dabei überladen zu wirken. Die sanfte Opalisierung der Perlen, ihr subtiler Glanz und ihre organische Form standen in perfektem Kontrast zu den geometrischen, strukturierten Kleidern. Perlen waren das ideale Accessoire für eine Ära, die Weniger-ist-Mehr-Prinzipien feierte.
Darüber hinaus passten Perlen perfekt zu Jackies persönlichem Stil, der oft als “amerikanische Grace Kelly” beschrieben wurde. Beide Frauen verkörperten eine kühle, zurückhaltende Eleganz, die niemals vulgär oder übertrieben wirkte. Perlen unterstrichen diese zurückhaltende Raffinesse auf ideale Weise.
Die symbolische Bedeutung von Perlen
Perlen haben durch die Jahrhunderte hinweg eine reiche symbolische Bedeutung getragen. Traditionell stehen sie für Reinheit, Weisheit, Integrität und Weiblichkeit. In verschiedenen Kulturen wurden sie mit dem Mond, mit Wasser und mit weiblicher Fruchtbarkeit assoziiert. Im Kontext der amerikanischen First Lady gewannen diese Symboliken zusätzliche Resonanz.
Jackie verkörperte während ihrer Zeit im Weißen Haus eine besondere Form weiblicher Stärke – anmutig, kultiviert und würdevoll, aber niemals schwach oder rein dekorativ. Sie war eine gebildete, sprachgewandte Frau mit eigenen Interessen und Meinungen, die gleichzeitig die traditionelle Rolle der unterstützenden Ehefrau erfüllte. Ihre Perlen symbolisierten diesen Balanceakt zwischen Tradition und Moderne, zwischen weiblicher Anmut und innerer Stärke.
Nach der Ermordung ihres Mannes im November 1963 gewannen Perlen eine zusätzliche symbolische Ebene. Das berühmte blutverschmierte rosa Bouclé-Kostüm, das Jackie bei der Ermordung trug, war mit einer Perlenkette kombiniert gewesen. Obwohl dieser tragische Kontext schmerzhaft war, trug Jackie auch in den folgenden Jahren weiterhin Perlen – ein Zeichen ihrer Beständigkeit und inneren Stärke trotz unvorstellbaren Leids.
Kenneth Jay Lane: Der Mann hinter Jackies Perlen
Keine Diskussion über Jackie Kennedys Perlenschmuck wäre vollständig ohne eine ausführlichere Betrachtung des Designers Kenneth Jay Lane. Lane wurde 1932 geboren und arbeitete zunächst als Schuhdesigner bei Dior und später bei Roger Vivier. In den frühen 1960er Jahren begann er, sich auf Schmuckdesign zu konzentrieren, und entwickelte schnell einen Ruf für hochwertige Imitationsschmuckstücke, die von echten Juwelen kaum zu unterscheiden waren.
Lanes Philosophie war es, dass Schmuck vor allem Spaß machen und Freude bereiten sollte, unabhängig davon, ob er aus echten Edelsteinen oder aus kunstvollen Imitationen gefertigt war. Diese Philosophie resonierte perfekt mit Jackies eigenem Ansatz zur Mode. Lane kreierte für Jackie nicht nur die berühmte dreireihige Perlenkette, sondern auch zahlreiche andere Schmuckstücke, darunter die ikonischen Muschel-Ohrringe, verschiedene Perlenknopf-Ohrringe und mehrere andere Perlenketten-Variationen.
Die Zusammenarbeit zwischen Jackie und Lane war ein perfektes Beispiel dafür, wie eine Modeikone und ein visionärer Designer gemeinsam stilistische Geschichte schreiben können. Lane wurde durch seine Verbindung zu Jackie international bekannt und kreierte später auch Schmuck für andere prominente Frauen, darunter Barbara Bush, Elizabeth Taylor und zahlreiche weitere Prominente. Er veröffentlichte sogar eine Autobiografie mit dem treffenden Titel “Faking It” (auf Deutsch etwa: “Es vortäuschen”), die seine Philosophie des qualitativ hochwertigen Imitationsschmucks feierte.
Das Vermächtnis: Perlen als zeitloses First-Lady-Accessoire
Jackies Einfluss auf die Perlentradition amerikanischer First Ladies kann kaum überschätzt werden. Nach ihr trugen nahezu alle First Ladies bei wichtigen Anlässen Perlenschmuck, wenngleich mit unterschiedlichen Interpretationen. Barbara Bush machte mehrstränge Perlenchoker zu ihrem Markenzeichen und trug sie so konsequent wie Jackie. Auch sie arbeitete mit Kenneth Jay Lane zusammen und ließ sich von ihm eine signaturhafte dreireihige Perlenkette mit kunstvollem Strass-Verschluss fertigen.
Hillary Clinton, Laura Bush und Michelle Obama trugen alle bei verschiedenen Anlässen Perlen, wobei Michelle Obama eine modernere, kühnere Interpretation wählte. Sie kombinierte klassische Perlen mit zeitgenössischen Designs, trug chunky Perlenketten und experimentierte mit mehrlagigen Perlenstilen. Doch selbst diese moderneren Interpretationen verweisen auf das Erbe, das Jackie Kennedy etabliert hatte.
Perlen in der zeitgenössischen Mode: Jackies andauernder Einfluss
Der Einfluss von Jackie Kennedys Perlenstil reicht weit über First Ladies hinaus. Designer wie Chanel, Dior, Valentino und viele andere haben in ihren Kollektionen immer wieder Perlenschmuck integriert, oft mit direkten oder indirekten Verweisen auf Jackie. Die dreireihige Perlenkette ist zu einem Klassiker geworden, den man in praktisch jedem Schmuckgeschäft finden kann, von High-End-Juwelieren bis zu erschwinglichen Modeschmuck-Anbietern.
In der heutigen Mode erleben Perlen eine bemerkenswerte Renaissance. Nach Jahren, in denen sie als altmodisch galten, werden Perlen von jüngeren Generationen wiederentdeckt. Interessanterweise geschieht dies oft in einem Geist, der Jackie Kennedys ursprünglicher Philosophie sehr nahekommt: Perlen werden mit unerwarteten Stücken kombiniert, im Alltag getragen und nicht als steife, formelle Accessoires behandelt.
Modeblogger und Influencer kombinieren Perlen mit Jeans und T-Shirts, Stilikonen tragen übergroße Perlenohrringe zu minimalistischen schwarzen Rollkragenpullovern, und Designer experimentieren mit unkonventionellen Perlenmaterialien und -formen. All diese Trends tragen Jackies demokratischen Geist in sich – die Idee, dass Eleganz zugänglich sein sollte und dass Schmuck vor allem ausdrücken sollte, wer man ist, nicht wie viel man besitzt.
Warum Jackies Perlenstil auch heute noch fasziniert
Mehr als sechs Jahrzehnte nach Jackies Zeit als First Lady fasziniert ihr Perlenstil Menschen weltweit noch immer. Warum? Die Antwort liegt vermutlich in mehreren Faktoren. Erstens verkörpert Jackie eine Form der Eleganz, die zeitlos ist – nicht an eine bestimmte Dekade gebunden, sondern universell verständlich. Ihre Outfits wirken auch heute noch frisch und modern, ohne veraltet oder kostümhaft zu wirken.
Zweitens spricht ihre Philosophie des zugänglichen Luxus Menschen in allen Wirtschaftslagen an. Die Tatsache, dass ihre berühmteste Kette aus Imitationsperlen bestand, sendet die kraftvolle Botschaft, dass man keine Millionen braucht, um stilvoll zu sein. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und bewusster Konsum zunehmend wichtiger werden, gewinnt diese Botschaft neue Relevanz.
Drittens symbolisiert Jackie eine besondere Form weiblicher Stärke, die auch in der heutigen Zeit relevant bleibt. Sie war gebildet, kultiviert und selbstbewusst, ohne dabei auf traditionelle Weiblichkeit zu verzichten. Ihre Perlen waren Teil dieser Balance – feminin, aber nicht unterwürfig; elegant, aber nicht unpraktisch; klassisch, aber nicht rückwärtsgewandt.
Fazit: Die Perle als Ausdruck zeitloser Eleganz
Jackie Kennedy Onassis’ Liebe zu Perlenschmuck war weit mehr als eine persönliche Modevorliebe. Sie war eine ästhetische Philosophie, eine politische Aussage und ein kulturelles Phänomen. Durch ihre konsequente Wahl von Perlen – ob echt oder imitiert – als tägliches Accessoire demokratisierte sie einen Schmucktyp, der zuvor primär mit Aristokratie und unerreichbarem Luxus assoziiert war.
Ihre dreireihige Perlenkette wurde zu einem der ikonischsten Schmuckstücke des 20. Jahrhunderts, nicht weil sie besonders teuer oder einzigartig war, sondern weil sie perfekt verkörperte, wofür Jackie stand: zugängliche Eleganz, zeitloser Stil und die Überzeugung, dass wahre Raffinesse von innen kommt. Jede Frau, die heute eine Perlenkette trägt – ob zur Arbeit, zu einem besonderen Anlass oder einfach nur, weil sie sich danach fühlt – trägt ein kleines Stück von Jackies Vermächtnis mit sich.
In einer Welt, die sich ständig verändert und in der Modetrends kommen und gehen, bleiben Perlen bestehen – genau wie die Erinnerung an eine außergewöhnliche Frau, die sie zu ihrem Markenzeichen machte. Jackie Kennedy Onassis bewies, dass wahre Eleganz nicht laut sein muss, dass Stil wichtiger ist als Geld, und dass ein einfaches Schmuckstück, mit Anmut getragen, die Welt verändern kann.



